Fernlinienbusse oder Mitfahrgelegenheit – die Alternativen zur Deutschen Bahn

Geld & Welt

Okt 28

2012

Bahn Monopol

creative commons, freie Bilder Autor: Christian Allinger

Im Zeitalter der Globalisierung rückt das Thema Mobilität nicht nur in Deutschland immer mehr in den Fokus. Überall auf der Welt wird von den Menschen mehr Flexibilität erwartet. Das Leben wird zunehmend hektischer und der Job verlangt einem immer mehr ab. In vielen Branchen pendeln Arbeitnehmer täglich in eine andere Stadt oder sogar in ein anderes Land. Um von A nach B zu gelangen, reisen wir mit Auto, Bahn oder Flugzeug. Während es berufsbedingten Pendlern hauptsächlich darum geht, schnell zu reisen, spielt insbesondere bei Studenten, Wochenendpendlern und Hobby-Reisenden der günstigste Preis die entscheidende Rolle. Im Folgenden ein paar Tipps, wie ihr im kommenden Jahr nicht nur Zeit und Nerven, sondern auch Geld sparen könnt.

 

Der Monopolist Deutsche Bahn bekommt Konkurrenz

Die Deutsche Bahn AG (DB) wurde am 1. Januar 1994 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Berlin. Sie stellt eine Fusion aus der damaligen Bundesbahn und der Reichsbahn dar. Mit einer riesigen Struktur von rund 1.000 Tochterunternehmen, einem Umsatz von knapp 38 Mrd. Euro im Jahr 2011 und 37.000 Zugfahrten pro Tag gehört die Bahn zu den wichtigsten Transportmitteln im In- und Ausland. Um diese Stellung zu schützen gibt es seit 1934 das immer noch bestehende Personenbeförderungsgesetz. Dies schreibt fest, dass es zu einer entgeltlichen Personenbeförderung im Sinne des Gesetzes eine Genehmigung bedarf. Hieraus resultiert das bis dato bestehende Bahn-Monopol. Doch damit ist jetzt Schluss!

 

Günstiger unterwegs mit Fernlinienbussen ab 2013

Die schwarz-gelbe Koalition und die Opposition haben sich nach monatelangen Verhandlungen nun endlich zu einem Fernbus-System geeinigt. Ab 2013 sollen die Bürger in Deutschland überall Fernbusse als Alternative zur Bahn nutzen können. Seit nun mehr als 75 Jahren gab es wie oben beschrieben für den innerdeutschen Linienverkehr strenge Beschränkungen. Nach dem neuen Kompromiss dürfen Fernbuslinien auch untereinander mit dem Eisenbahnverkehr konkurrieren. Diese Konkurrenz wurde schon vor einigen Jahren ausprobiert, indem ein Unternehmen verschiedenste Fahrten mit Fernbussen angeboten hatte. Prompt folgte eine Klage der Bahn, jedoch ohne Erfolg. Nun können sich die Anbieter getrost ein System für den Fernbusverkehr ausdenken, denn die Gründe sprechen für sich.

Vergleich (2012) der Strecke Hamburg -> Berlin, Freitag um 13 Uhr:

  • Die Busfahrt: Der Normaltarif kostet 27.00 EUR und man benötigt ca. 4 Stunden bei “normalen” Verkehrsbedingungen
  • Die Bahnfahrt: Der Normaltarif im IC kostet 59,00 EUR und man fährt ca. 2 Stunden (Sitzplatzgarantie nur mit Aufpreis)

Doch aus den Reihen der Bundesländer erhob sich Widerstand, schließlich bezahlen diese für den regionalen Zugverkehr mit. Aus diesem Grund gibt es eine Beschränkung: Fahrstrecken, welche unter 50 Kilometern Länge liegen und eine Fahrzeit von weniger als einer Stunde benötigen, dürfen nicht angeboten werden.

Trotzdem ist es ein großer Schritt in die richtige Richtung. Denn nicht nur die Fahrtkosten sinken für jeden Einzelnen. Ein weiteres Ziel liegt darin, beispielsweise 25 PKW’s durch einen Linienbus zu ersetzen. Somit tut man nicht nur etwas für das eigene Portemonnaie, sondern schont gleichzeitig die Umwelt!

 

Mobilität in der Gemeinschaft

Trotz astronomisch hoher Spritpreise ist eine Fahrt mit dem Auto vielleicht sogar die bessere Wahl. Gemeint sind dabei allerdings die Fahrten in einer Gemeinschaft, die sogenannten Mitfahrgelegenheiten. Im Internetzeitalter angekommen, wurde das “organisierte Trampen” wieder populärer. Egal ob Kurztrips, Auslandsfahrten oder als Fahrgemeinschaft für Berufspendler. Die Mitfahrgelegenheiten sind wieder im Trend und zudem günstig, umweltfreundlich und kommunikativ. Ganz einfach können Anfragen über den PC oder die Smartphone-App von Mitfahrgelegenheiten.de erstellt werden. Zu finden sind einige Details über das Auto, den Fahrer und natürlich die Route. Passend für die eigene Reisestrecke werden bekannte Orte wie der Hauptbahnhof als Start bzw. Ziel gesetzt.

Auch ein Versicherungsschutz ist für die Mitfahrer gegeben, denn jeder Fahrzeughalter ist dazu verpflichtet eine Kfz-Haftpflichtversicherung abzuschließen. Entstehen also Personen- oder Sachschäden, ist man mit einer Höhe von bis zu 7,5 Mio. Euro abgesichert. Treten Schäden auf, die diese Summe übersteigen (z.B. dauerhafter Pflegefall), muss der Fahrer die weiteren Kosten tragen. Daher werden in einigen Fällen vor der Fahrt Haftungsbeschränkungen geklärt und schriftlich festgesetzt.

Laut ADAC verlaufen 99 Prozent der Mitfahrgelegenheiten problemlos ab. Schwarze Schafe gibt es jedoch überall und es kann passieren, dass man versetzt wird. In der Regel bleibt einem dann nichts anderes mehr übrig, als sich in den Zug zu setzen bzw. bald auch in einen Fernbus. Die Fahrt wird dann natürlich erheblich teurer. Hatten Fahrer und Mitfahrer allerdings im Vorfeld eine verbindliche Übereinkunft getroffen, ist ein Vertrag entstanden. Aus diesem entsteht die Pflicht des Fahrers, seinen Mitfahrer von A nach B zu bringen. Erfüllt er diese Pflicht nicht, ist er gesetzlich verpflichtet, für den Differenzbetrag aufzukommen, sprich Zugticket minus vereinbarter Fahrpreis. In diesem Fall kann man sich an die Betreiber wenden, um die Kontaktdaten des Fahrers zu erfahren. Dieser muss vorab online registriert sein, um seine Mitfahrgelegenheit anbieten zu können. In der Regel gibt es aber eine gegenseitige Rücksichtnahme und der Anbieter kontaktiert im Falle eines Ausfalls die betroffenen Personen.

 

Statistik Mitfahrgelegenheiten

Zuwachs von Mitfahrgelegenheiten (Quelle: http://www.mitfahrgelegenheit.de)

 

Fazit: Die Mobilität in Deutschland ist im Wandel! Es öffnen sich weitere Möglichkeiten, die eine günstigere Reise versprechen. Fakt ist, dass die Bahn als Monopolist sehr teuer ist, dafür aber auch eine Menge Komfort bieten kann. Die kommenden Fernlinienbusse werden die Geldbörse erheblich erleichtern und wer ein ganz großer Sparfuchs ist, der ist bei den Mitfahrgelegenheiten sehr gut aufgehoben. Ab 2013 wird ein neuer Konkurrenzkampf entstehen und ich persönlich schätze, dass sich die Preise der Bahn daraufhin auch ändern werden. Lassen wir uns überraschen, wie es weitergeht und freuen uns hoffentlich auf preisgünstigere Reisen.

6 Kommentare zu "Fernlinienbusse oder Mitfahrgelegenheit – die Alternativen zur Deutschen Bahn"

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Alex

Oktober 29th, 2012 at 07:50

Guter Artikel, auch wenn für mich nicht relevant. Aber man sieht schon, dass Ihr seit dem Neustart des Blogs hier auf einem guten Weg seid! :)
Angenehmen Wochenstart, Alex

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Thomas Liedl

Oktober 29th, 2012 at 08:27

Ob sich das Projekt dauerhaft durchsetzen wird gilt es abzuwarten. Auf Strecken wie Hamburg – Berlin mag es durchaus eine Alternative zur Bahn zu sein. Bei Strecken wie Hamburg – München bspw. sieht es rein zeitlich betrachtet ganz anders aus.

Konkurrenz ist sicherlich gut, keine Frage. Doch in unserer hektischen Zeit spielt die Uhr eine wichtige Rolle….. leider.

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Skatze

Oktober 29th, 2012 at 10:23

@Alex Vielen Dank! Sei froh, dass du nicht darauf angewiesen bist. Ich bin stark darauf angewiesen und musste schon oft tief in die Geldbörse greifen um die teure Bahn zu bezahlen. Freut mich sehr wenn dir der Neustart zusagt :)

@Thomas Da gebe ich dir absolut Recht, die Uhr steht niemals still. Jedoch wird es sich meiner Meinung nach sehr lohnen, auch wenn nicht unbedingt für solch große Strecken wie Hamburg – München. Alleine die Kombination aus Bus und Bahn wird dann sicherlich einiges an Geld erleichtern. Das werden die Unternehmen bestimmt auch wissen. Als populäre Länge könnten 300km Strecken sich durchaus durchsetzen.

Eine angenehme Woche wünsche ich euch!

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Andersreisender

Oktober 31st, 2012 at 10:25

Zweifelsohne belebt Konkurrenz das Geschäft. Aber ob sich’s auf Dauer wirklich rentiert? Viele der regelmäßigen Bahnfahrer haben Ermäßigungen – bis hin zu deutlich gegenüber dem Normaltarif reduzierten Wochen- und Monatskarten. Da wird es für neue Busverbindungen dann wirklich schwierig beim Preis- und Zeitkampf mitzuhalten.

Einzelne Destinationen werden aber bestimmt mithalten können – vor allem dort, wo die Bahn nicht auf Hochgeschwindigkeitsstrecken fährt.

Ich persönlich bin ja eingefleischter Zugfahrer – und würde nur im “Notfall” auf den Bus umsteigen. Dann schon eher auf die Mitfahrgelegenheiten, da lernt man dann u.U. interessante Leute kennen. ;-)

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Skatze

Oktober 31st, 2012 at 11:32

Hallo Andersreisender,
da gebe ich dir natürlich vollkommen Recht, die Spartarife sind meistens sehr angenehm und dort wird der Konkurrenzkampf auch erst richtig schwierig werden.
Aus meiner Situation heraus würde es sich wahrscheinlich rentieren. Ich zahle für eine Fahrt in die Heimat, ohne Studententicket, 22 Euro auf 100km und 1h30min Fahrzeit. Dann fahre ich jedes zweite Wochenende ca. auf einer 300km langen Strecke und zahle für die Bahn 56 Euro und fahre 3h30min. Alleine diese beiden Routen würden sich erheblich vergünstigen. Auf der 300km langen Strecke fahre ich mit Mitfahrgelegenheiten für 15 Euro, nur ist nicht immer ein Angebot dafür zu finden. Deswegen freue ich mich auf die Linienbusse.
Im Ausland ist dieses System ja schon seit langem weit verbreitet. Z.B. sind wir von der Ostküste zur Westküste Irlands mit dem Bus gereist und haben dafür gerade mal 20 Euro bezahlt. Das schafft die Bahn mit Spartarifen jedenfalls nicht.

Es wird ein Kampf werden und einige Strecken werden eher der Bahn zugeschrieben und einige eben den Bussen, so sehe ich das Ganze auf uns zukommen. Für Kurztrips in die Städte usw. wird es sich denke ich auch lohnen, alleine weil der Bus flexibler ist. Zum Glück ist es jedoch noch unsere Entscheidung, welche der Möglichkeiten wir dann nutzen werden. :)

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Andersreisender

November 27th, 2012 at 21:38

Klar – der Preiskampf wird bestimmt toben. Aber hilft nix – ich fahre trotzdem lieber mit dem Zug auch mit dem Bus. ;-)

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  • Thomas: Sehr informativ! Beim Thema Kindergeld kommen doch immer wieder Fragem auf. Da ist dieser Artikel do [...]
  • Skatze: Hi Richard, da hast du wohl Recht. Habe es gerade selber nochmal gemerkt, da ich letzte Woche in de [...]
  • Richard: Hoffentlich werde die Preise wirklich sinken! Weil ich finde schon ein Wenig überteuert, besonders [...]
  • Skatze: Das freut mich sehr! :) Dann hoffe ich mal, dass es dir auch weiterhin gefallen wird. Mir macht es [...]

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