Verhalten im Internet und auf Arbeit – Wenn Chefs spionieren

Geld & Welt

Jun 11

2012

Spionage

creative commons, freie Bilder Autor: Ludovic Bertron

“Herzlichen Glückwunsch, sie haben den Einstellungstest erfolgreich absolviert. Zum anschließenden Vorstellungsgespräch bitten wir sie uns ihr Facebook-Benutzernamen und ihr Kennwort auszuhändigen, damit wir uns ein genaueres Bild ihrer Person machen können.” So ist es bei vielen Arbeitgebern zumindest in den USA Gang und Gebe. Justin Bassett ist einer dieser Kandidaten gewesen, der sein Passwort aushändigen sollte und aufgrund dessen sich aus dem Bewerbungsverfahren zurückgezogen hat. Den genau Artikel dazu findet ihr auf spiegel.de. Künftig sollen Gesetze solche Ausschreitungen regeln, denn es muss klare Grenzen für die Arbeitgeber geben.

Doch auch ohne Zugangsdaten sind viele nette, aber auch dermaßen anrüchige Kommentare und Bilder im Internet zu finden. Gut jeder zweite Personalchef informiert sich über das im Internet angelegte Profil des Stellenbewerbers. In einigen Fällen sind Bilder von hemmungslosen Besäufnissen und unsittlichem Verhalten gegenüber anderen Usern vorzufinden. So ein Verhalten ist natürlich nicht gern gesehen und möchte der Arbeitgeber auch mit Sicherheit nicht einstellen. Es ist also Vorsicht geboten, etwas im Internet zu hinterlassen, was irgendwann zu Beeinträchtigungen kommen kann.

Bei 123people.com könnt ihr mittels Namenseingabe einige interessante Informationen über die jeweilige Person herausbekommen, probiert es aus und ihr werdet teilweise überrascht sein.

 

Wie schützt man sein Internetprofil am Besten?

  • Die wohl wichtigste Regel ist, darauf zu achten, WAS man von sich preisgibt. Verbreitet man gerne seine Meinung auf Blogs, Facebook, Twitter usw, sollten die Kommentare ordentlich formuliert sein und nicht ausfällig, gar beleidigend wirken.
  • Ein weiterer Punkt ist, seine Meinung unter einem anderen Namen zu veröffentlichen. Ein Spitzname wie Skatze ist schwer auf meine Person zurückzuführen, zumindest für fremde Spione.
  • Ein eigenes Profil anzulegen ist für die Jobsuche ebenfalls ratsam. Neben der eigenen Website gibt es viele berufliche Netzwerke wie Xing oder LinkedIn, sowie Portale wie Monster. Arbeitgeber finden somit ein sauberes Profil im Internet.
  • Aber auch diverse Einstellungen, wie z.B. bei Facebook, sollten nicht vergessen werden. Da Facebook ja hin und wieder seine Geschäftsbedingungen ändert und ständig neue Funktionen zur Verfügung stellt, ist stets darauf zu achten die passenden Einstellungen zum Datenschutz eingestellt zu haben. Wer Hilfe zur Privatsphäre oder jeglichen Themen bei Facebook braucht, dem empfehle ich die Seite allfacebook.de.

 

 Hat mein Chef die Befugnis alle meine Mails zu lesen?

Im dienstlichen Bereich darf der Chef alles wissen und darf die Dienstmails einsehen, denn der Posteingang und der Postausgang gehört ihm. Es gibt aber betriebsinterne Regelungen für private Mails, sind diese erlaubt und liest der Chef sie trotzdem, ist dies ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Es ist aber darauf zu achten, private Mails auch als solche zu kennzeichnen, ein einfaches “private” vor dem eigentlichen Betreff reicht dazu aus. Sollte ein Verbot für private Mails vereinbart sein, so darf der Chef stichprobenartig die Mails lesen. Sollten sich trotzdem private Mails finden lassen, so wird es nicht gleich zu einer Abmahnung kommen, es sei denn die Arbeitszeit wurde dadurch erheblich beeinträchtigt.

 

Darf ich am Arbeitsplatz privat im Internet surfen?

Auch hier ist es wieder eine betriebsinterne Regelung und stellt im Prinzip das Gleiche wie mit der Handhabung der Mails dar. Sollte es ein Verbot geben und wurde die Arbeitszeit stark beeinträchtigt, so kann es zur Abmahnung kommen. Ein absolutes Tabu ist das Herunterladen von (kinder-) pornografischen Daten und das Empfangen derartiger Mails mit solchen Inhalten. Dadurch wird der Arbeitgeber ebenfalls strafbar gemacht und kann für Beihilfe belangt werden.

 

Dürfen Telefongespräche abgehört werden?

Grundsätzlich darf der Chef das Telefon nicht abhören, auch die Rufnummern dürfen nicht dokumentiert werden. Eine Möglichkeit ist, dass der Chef das Telefongespräch versteckt mithören darf, solange er mindestens vier Tage vorher den Mitarbeiter darüber in Kenntnis gesetzt hat und der Telefonpartner am anderen Ende der Leitung ebenfalls damit einverstanden ist.

 

Wie sieht es mit einer Videoüberwachung aus?

Besteht ein konkreter Verdacht auf eine Straftat, z.B. wenn andauernd Geld in der Kasse fehlt, nachdem Mitarbeiter X Schicht hatte. Dies gilt allerdings nur für öffentlich zugängliche Räumlichkeiten, also dürfen Toiletten oder Büros nicht videoüberwacht werden. Im Prinzip ist diese Form aber verboten und in der Vergangenheit gab es zu diesem Thema auch etliche Streitigkeiten.

 

Darf meine Krankmeldung überprüft werden?

Lediglich Krankheitszeiten für die Lohnabrechnung dürfen dokumentiert werden, die Art der Krankheit, Therapien oder Diagnosen dürfen in keinem Fall aufgezeichnet werden. Sollte jemand länger als sechs Wochen durch Krankheit ausfallen, so muss sichergestellt werden, dass dies nicht durch die Arbeit bedingt war. Besteht ein begründeter Verdacht, dass der Arbeitnehmer “krankfeiert” oder einem anderen Job nachgeht, so kann der Arbeitgeber einen Privatdetektiv engagieren. Sollte sich der Verdacht bestätigen, so wird es eine Kündigung nach sich ziehen. Trifft der kranke Mitarbeiter auf Kollegen bei einem Spaziergang, so ist das lange kein Grund zum Verdacht.

 

Ist ein Alkoholtest legitim?

Ja das ist er, solange auch hier wieder ein Verdacht besteht. Ein Verdacht entsteht durch den Geruch und die Unkonzentriertheit bei der Arbeit eines Mitarbeiters.

 

Darf mein Schreibtisch inspiziert werden?

Auch der Schreibtisch darf untersucht werden, allerdings nur auf dienstliche Unterlagen. Das Einsehen von privaten Notizen ist auch hier ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte und ist demnach für den Arbeitgeber verboten.

8 Kommentare zu "Verhalten im Internet und auf Arbeit – Wenn Chefs spionieren"

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Alex

Juni 12th, 2012 at 08:35

Interessanter Artikel, wobei vieles sicherlich von Betrieb zu Betrieb anders ist, aber man sollte sich stets seiner Pflichten und Rechte bewusst sein.
Und zu Facebook und sozialen Netzwerke… am besten gar nicht erst anmelden! ;)

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Skatze

Juni 12th, 2012 at 18:20

Hey Alex,

mit Sicherheit sind viele der genannten Punkte betriebsinterne Regelungen. Und was Facebook usw. angeht, du magst ja einerseits Recht haben, nur ist es eben für so viele Dinge absolut wertvoll. Ob es mehr Vor- als Nachteile gibt, wage ich allerdings auch zu bezweifeln.

Schönen Abend!

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Richard

Juli 12th, 2012 at 21:08

Hehe Moin Alex! Wie willst du den ohne social networks auskommen? Geht doch heutzutage nicht!

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Alex

Juli 13th, 2012 at 06:59

Richard, wie ich damit – respektiv ohne – auskommen will… so wie bisher.
Twitter nur fürs Blog gebrauchen, sonst nicht. Und Facebook bislang nur passiv, aber ab August vielleicht wieder ganz abgemeldet. Ich vermisse da nichts.
Mail brauche ich, Internet auch… aber Facebook, Twitter, Google+ und Co. brauche ich privat wirklich nicht. Nur für mein Blog.

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Andre

August 1st, 2012 at 16:42

Hallo Alex,

interessanter Artikel.

Sind in Deutschland auch Fälle bekannt, wo die Benutzerdaten übergeben wurde, um sich ein besseres Bild über den Bewerber zu machen? Das finde ich schon ziemlich krass.

Zu Deiner allgemeinen Einstellung gegenüber Facebook: Privat sehe ich auch absolut keine Veranlassung, diese Plattform zu besuchen oder zu nutzen. Meine guten Freunde erreiche ich auch per Handy oder Mail.

Beruflich -vor allem in der Selbsständigkeit – gibt es aber meiner Meinung nach zu viele Vorteile, um Facebook völlig zu ignorieren. Wenn ich sehe, wie viele Fans Unternehmen/Verlage unserer Größe bei Facebook haben, wird mir bewusst, wie unglaublich wichtig diese Art der Kundenbindung ist. Wahrscheinlich hätten die Unternehmen einen Großteil der Kunden ohne eine Nutzung der Sozialen Netzwerke nie erreicht.

Viele Grüße
Andre

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mysha

August 3rd, 2012 at 23:48

Hi,
selbst wenn es theoretisch erlaubt ist, wird das Mitlesen beruflicher Mails (abgesehen von begründeten Einzelfällen) normalerweise vom Betriebsrat nicht so gerne gesehen. Mir ist auch keine Firma bekannt, wo so etwas durchgeführt wird, außer vielleicht auf Wunsch des Mitarbeiters aus Troubleshooting-Gründen.

Bezüglich sozialen Netzwerken halte ich es so, dass ich selbst in privatem Chats nichts schreibe, was ich nicht auch öffentlich sagen würde. Denn selbst wenn der (potentielle) Chef nicht mitlesen kann, Mark Zuckerberg macht es definitiv.

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Skatze

August 6th, 2012 at 17:17

Hey Stefan,

da gebe ich dir mal absolut Recht! Viele wissen gar nicht, wie schlampig sie doch mit den Informationen von sich selbst umgehen.
Mit den E-Mails lesen, da ist mir auch kein konkreter Fall bekannt, aber viele wissen selbst hier nicht, was erlaubt ist und was eben nicht.

Wünsche eine angenehme Woche!

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Sarina

August 23rd, 2012 at 16:03

Aus der Sicht eines Arbeitgebers, ist es quasi Diebstahl, wenn man während der Arbeitszeit private Angelegenheiten erledigt.

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